News 18. 03. 2004

Bundesstelle für Sektenfragen warnt vor boomenden "Lebenshilfemarkt"

Der Jahresbericht 2002 wurde am Donnerstag im Familienausschuss des Nationalrats  behandelt.

Ein rasches Wachsen des "Lebenshilfemarktes" registriert die Bundesstelle für Sektenfragen. Zu diesem Bereich zählte Stellenleiter German Müller am Donnerstag im Familienausschuss des Nationalrates fernöstliche Anbieter, Guru-Bewegungen, christliche Fundamentalisten und Formen von Schamanismus, die - organisiert in kleinen Gruppen - oft dem Bedürfnis nach Geistheilung oder Leistungssteigerung nachkommen. Der Familienausschuss beriet den Jahresbericht 2002 der Bundesstelle. In diesem Jahr haben 1.734 Personen Auskunft zu 254 verschiedenen Gruppierungen gesucht.

Information und psychosoziale Beratung

In 631 Fällen erfolgte über die Vermittlung von Sachinformation hinaus eine intensive psychosoziale Beratung, berichtete die Parlamentskorrespondenz. Unter den Gruppen, über die Informationen gesucht wurden, waren auch staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaften.

Topthema „Satanismus“

Das bei weitem größte Interesse der Anfragesteller galt freilich dem Satanismus, gefolgt von Scientology, den Zeugen Jehovas und der Holosophischen Gesellschaft. Dahinter rangieren Sahaja Yoga und der Bereich Esoterik - letzterer laut Bericht ein unüberschaubares Sammelbecken von Organisationen, kleinen Gruppierungen und Einzelanbietern. Vor allem die so genannte "Gebrauchsesoterik" scheine in weiten Teilen der Bevölkerung bereits gut verankert zu sein, heißt es von Seiten der Sektenstelle.

"Zersplitterung" des religiösen Marktes

Insgesamt macht Müller eine Tendenz zur Zersplitterung des religiösen Marktes durch das Auftreten immer neuer Gruppen aus. Die Szene sei dadurch gekennzeichnet, dass alte Gruppierungen wie die Zeugen Jehovas ihre Position halten, neue Bewegungen wie Scientology ihr Angebot an die veränderte Nachfrage anpassen und die Mun-Bewegung unter neuem Namen und mit neuen Themen (Friede, interreligiöser Dialog) in Erscheinung trete.

Suche nach „einfachen Lösungen“

Die Bundesstelle gehe mit den verschiedenen Gruppierungen um wie mit anderen Bürgern auch. "Wir bemühen uns, sie ernst zu nehmen, stellen aber klar, dass wir uns nicht vereinnahmen lassen", sagte Müller und fügte hinzu, dass seine Stelle berät und hilft, aber keine Partei ergreife. Sie gehe bei ihrer Arbeit von einem bedürfnisorientierten Ansatz aus. Die Gruppen bieten den Menschen scheinbar einfache Lösungen an, etwa nach dem Muster: Du musst nicht denken, nur fühlen. Die Menschen geben dafür viel, weil sie eine Lösung ihrer Probleme erwarten. Hier setze die Bundesstelle an, sie gebe Informationen, sei es für Betroffene, Fachstellen, Angehörige, Institutionen oder für Schüler, Studenten und Lehrer, die über das Thema Arbeiten verfassen.

 

 

 
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