Bundesstelle für
Sektenfragen warnt vor boomenden "Lebenshilfemarkt"
Der Jahresbericht 2002
wurde am Donnerstag im Familienausschuss des Nationalrats
behandelt.
Ein
rasches Wachsen des "Lebenshilfemarktes" registriert die
Bundesstelle für Sektenfragen. Zu diesem Bereich zählte Stellenleiter
German Müller am Donnerstag im Familienausschuss des Nationalrates fernöstliche
Anbieter, Guru-Bewegungen, christliche Fundamentalisten und Formen von
Schamanismus, die - organisiert in kleinen Gruppen - oft dem Bedürfnis nach
Geistheilung oder Leistungssteigerung nachkommen. Der Familienausschuss
beriet den Jahresbericht 2002 der Bundesstelle. In diesem Jahr haben 1.734
Personen Auskunft zu 254 verschiedenen Gruppierungen gesucht.
Information und
psychosoziale Beratung
In 631 Fällen
erfolgte über die Vermittlung von Sachinformation hinaus eine intensive
psychosoziale Beratung, berichtete die Parlamentskorrespondenz. Unter den
Gruppen, über die Informationen gesucht wurden, waren auch staatlich
eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaften.
Topthema „Satanismus“
Das bei
weitem größte Interesse der Anfragesteller galt freilich dem Satanismus,
gefolgt von Scientology, den Zeugen Jehovas und der Holosophischen
Gesellschaft. Dahinter rangieren Sahaja Yoga und der Bereich Esoterik -
letzterer laut Bericht ein unüberschaubares Sammelbecken von
Organisationen, kleinen Gruppierungen und Einzelanbietern. Vor allem die so
genannte "Gebrauchsesoterik" scheine in weiten Teilen der Bevölkerung
bereits gut verankert zu sein, heißt es von Seiten der Sektenstelle.
"Zersplitterung"
des religiösen Marktes
Insgesamt
macht Müller eine Tendenz zur Zersplitterung des religiösen Marktes durch
das Auftreten immer neuer Gruppen aus. Die Szene sei dadurch gekennzeichnet,
dass alte Gruppierungen wie die Zeugen Jehovas ihre Position halten, neue
Bewegungen wie Scientology ihr Angebot an die veränderte Nachfrage anpassen
und die Mun-Bewegung unter neuem Namen und mit neuen Themen (Friede,
interreligiöser Dialog) in Erscheinung trete.
Suche nach „einfachen Lösungen“
Die
Bundesstelle gehe mit den verschiedenen Gruppierungen um wie mit anderen Bürgern
auch. "Wir bemühen uns, sie ernst zu nehmen, stellen aber klar, dass
wir uns nicht vereinnahmen lassen", sagte Müller und fügte hinzu,
dass seine Stelle berät und hilft, aber keine Partei ergreife. Sie gehe bei
ihrer Arbeit von einem bedürfnisorientierten Ansatz aus. Die Gruppen bieten
den Menschen scheinbar einfache Lösungen an, etwa nach dem Muster: Du musst
nicht denken, nur fühlen. Die Menschen geben dafür viel, weil sie eine Lösung
ihrer Probleme erwarten. Hier setze die Bundesstelle an, sie gebe
Informationen, sei es für Betroffene, Fachstellen, Angehörige,
Institutionen oder für Schüler, Studenten und Lehrer, die über das Thema
Arbeiten verfassen.
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