News 01. 06. 2004

Landau: "Kultur des Sterbens" notwendig

Die Politik in Österreich reagiert nach Ansicht des Wiener Caritas-Direktors Michael Landau noch immer zu zögerlich auf die Herausforderungen in den Bereichen Pflege und Hospizwesen.

In einem Gastbeitrag für die "Wiener Zeitung" fordert Landau weitere Verbesserungen beim Pflegegeld, bei der Finanzierung des Hospizwesens und bei der Hospiz-Karenz. "Es braucht einen Nationalen Hospizplan, es braucht eine parlamentarische Enquete zum Thema Zukunft der Pflege - es muss deutlich gemacht werden: Österreich ist bereit, sich den aktuellen und auch den demoskopisch absehbaren Herausforderungen im Bereich Pflege und Hospiz entschieden zu stellen", so Landau. Da der Anteil hochbetagter und damit pflegebedürftiger Menschen stetig steige, sei die Pflege eine "zentrale Herausforderung an die Gesellschaft". Der Bedarf an neuen Betreuungsformen und Betreuungsstrukturen wachse. "Ebenso wächst die Gefahr, dass alte Menschen auf Budgetposten und Kostenfaktoren reduziert werden und sich selbst als Belastung für andere empfinden", stellt Landau fest. Im Sinne einer "Kultur des Lebens" brauche die Gesellschaft ein generelles Umdenken.

Pflegende Angehörige unterstützen

Viele Menschen hätten Angst, selbst pflegebedürftig zu werden. Diese Angst gelte es zu enttabuisieren, "ihr ist mit geeigneten, zukunftsfähigen Angeboten entgegenzutreten", fordert der Caritas-Direktor. Pflegende Angehörige bräuchten Unterstützung, Entlastung und Begleitung. Dabei müsse ihnen "verstärkt Mut gemacht werden, sich auch professionelle Hilfe zu holen", so Landau. Auch sollten Pflegezeiten von Angehörigen - nach dem Modell der Kinderbetreuungszeiten - bei der Berechnung der Pension angerechnet werden.

Hospizwesen finanziell absichern

Zu einer "Kultur des Lebens" gehöre auch eine "Kultur des Sterbens", eine Kultur der Solidarität mit den Sterbenden. Wer Sterbehilfe nicht wolle, müsse für optimale Sterbebegleitung sorgen, betont Landau. Die Caritas zähle zu jenen, die sich seit Jahren mit mobiler Hospiz-Arbeit  um schwer kranke und sterbende Menschen und deren Angehörige kümmere. Derzeit sei es ohne Spenden nicht möglich, die Hospizangebote zu finanzieren. Der Einsatz für ein Leben in Würde bis zuletzt dürfe aber nicht am Geld scheitern, daher gelte es, "die Absicherung in der Regelfinanzierung des Gesundheitssystems anzustreben", so Landau. Der Caritas-Direktor erinnert in der "Wiener Zeitung" an den einstimmigen parlamentarischen Beschluss vom Dezember 2001 zur umfassenden Förderung der Hospizarbeit sowie die parlamentarische Enquete zu diesem Thema, die Kardinal König angeregt und auch eröffnet hatte. Die damals beschlossenen Ziele, seien heute "bei weitem noch nicht umgesetzt", so Landau.

 

 

 

 

 

 

 
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