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News 17. 11.
2004 |
Kardinal von Galen wird für
Widerstand gegen Nazis selig gesprochen
Papst Johannes Paul II. wird
den früheren Bischof von Münster, Kardinal Clemens August von Galen, im nächsten
Jahr selig sprechen. In zahlreichen Predigten prangerte von Galen die
Euthanasieprogramme der Nazis an.
Kardinal
Clemens August von Galen, von 1933 an bis zu seinem Tod 1946 Bischof von Münster,
war einer der wenigen Repräsentanten der katholischen Kirche, der sich dem
unmenschlichen Wahn Hitlers auch öffentlich entgegengestellt hatte. Vor
seiner hünenhaften Gestalt, seinem grimmigen Blick und seiner Stimmgewalt
sollen sogar die Schergen des Nazi-Regimes Respekt gehabt haben. Wie das
Bistum Münster am Mittwoch mitteilte, sind alle kirchenrechtlichen
Bedingungen für die Seligsprechung des NS-Widerstandskämpfers erfüllt.
Dass ein 16-Jähriger aus Indonesien nach dem Anrufen von Galens auf unerklärliche
Weise geheilt worden sein soll, wurde als dafür notwendiges Wunder
anerkannt. Gegen das
"Neuheidentum"…
Den
lateinischen Spruch "Nec laudibus nec timore" ("Nicht Lob
noch Furcht") hatte sich der aus einem alten Adelsgeschlecht stammende
und streng konservativ denkende von Galen (1878-1946) als Bischof zum
Leitwort gewählt. Als Oberhirte von Münster lebte er dieses Motto von der
Kanzel im Widerstand gegen die Naziherrschaft. Schon 1934 hatte sich der in
Dinklage im Oldenburger Münsterland geborene Theologe in einem
Fastenhirtenbrief kritisch mit dem "Neuheidentum" der
Nationalsozialisten auseinander gesetzt. 1937 trug er maßgeblich zur Veröffentlichung
der päpstlichen Enzyklika unter dem Titel "Mit brennender Sorge"
bei. … und die Euthanasie
Berühmt
wurden aber erst von Galens Predigten vom Juli und August 1941. Der Bischof
wetterte vor allem gegen die Euthanasieprogramme des Naziregimes. Bei den
Auftritten des Bischofs kam es zu Massenaufläufen mit zehntausenden Gläubigen
und großem Polizeiaufgebot. "Die Predigttexte wurden unter der Hand
gehandelt und sogar an der Front in Stalingrad gelesen", sagt
Bistumssprecher Karl Hagemann. Bei einem seiner letzten öffentlichen
Auftritte nach dem Krieg auf den Trümmern des Doms kamen 50.000 Katholiken,
um dem Bischof zuzujubeln. "Er war in dieser Zeit sicher der
bekannteste Katholik in Deutschland", sagt Hagemann. Gestorben 1946
Bei
den Nationalsozialisten stand von Galen deshalb auf der schwarzen Liste.
Nach einem von ihnen propagierten "Endsieg" sollte mit dem Münsteraner
Bischof abgerechnet werden, soll Reichspropagandaminister Josef Goebbels in
seinem Tagebuch verewigt haben. Während der Kriegswirren traute sich die
Staatsmacht aber nicht, gegen den Würdenträger vorzugehen. Zu groß war
der Rückhalt des Bischofs in der Bevölkerung. Nach seiner Flucht aus dem
durch Bomben zerstörten Münsteraner Bischofspalais 1944 hatte von Galen
von seinem Ruhm nach dem Krieg nicht viel. Einen Monat nach seiner Aufnahme
in das Kardinalskollegium starb er am 22. März 1946 an einer schweren
Krankheit. Seligsprechung zum Bistumsjubiläum
Papst
Johannes Paul II. hat die Seligsprechung von Galens früh zu seiner persönlichen
Angelegenheit gemacht. Schon 1987 betete der Heilige Vater während seines
Deutschlandbesuchs am Grab des Bischofs im Münsteraner St.-Paulus-Dom. Noch
vor Weihnachten will der Pontifex die bevorstehende Ehrung in Rom bekannt
geben. Danach soll ein Termin für die Feierlichkeiten gefunden werden. Für
die Verantwortlichen beim Bistum Münster um Bischof Reinhard Lettmann kommt
die Kunde aus dem Vatikan sehr gelegen. Das Bistum feiert im nächsten Jahr
sein 1200-jähriges Bestehen.
Weitere News zum Thema: - 04. 10. 2004: Seligsprechung
von Kardinal von Galen steht bevor
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