News 11. 02.
2005 |
Vatikanischer Islam-Experte
warnt vor Sharia im Irak
Der Rektor des Päpstliche
Instituts für Islamkunde fürchtet eine Bedrohung der Christen des Landes.
Vor einer Einführung
des islamischen Rechts - der Sharia - im Irak hat der hochrangige
Vatikan-Berater P. Justo Lacunza Balda gewarnt. Lacunza, Rektor des Päpstlichen
Instituts für Islamkunde (PISAI) und Mitglied der Ordens- gemeinschaft der
Weißen Väter, gilt nicht nur als der führende Islam-Experte des Vatikans,
sondern ist einer der wichtigen Protagonisten für den "interreligiösen
Dialog" zwischen Christen und Muslimen. „Hoher Preis“ für religiöse
Minderheiten
Seit der
US-Invasion von 2003 sei klar gewesen, dass der neue Irak eine
"islamische Nation" werden würde, sagte Lacunza Balda der
US-amerikanischen katholischen Nachrichtenagentur CNS. Den "hohen
Preis" dafür müssten die religiösen Minderheiten tragen. Eine Einführung
der Sharia geht nach Ein- schätzung Lacunzas klar zu Lasten der irakischen
Christen. Diskriminierung in der Praxis
Nach Einschätzung
des PISAI-Rektors Lacunza gibt es einen "riesigen Unterschied"
zwischen prinzipieller und faktischer Religionsfreiheit: "Minderheiten
erleiden Diskriminierung in der Praxis, nicht im Prinzip". Schriftliche
Garantien seien daher wenig wert. "Wenn wir einer Minderheit Schutz
garantieren, akzeptieren wir gleichsam, dass es sich um eine bedrohte
Spezies handelt", so der Islam-Experte. Sistani gegen religiös geprägte
Verfassung
Der schiitische Großayatollah Mohammed el Fajad hatte zu Wochenbeginn schriftlich erklärt, die Mehrheit der irakischen Bevölkerung wünsche sich von der neuen Nationalversammlung, dass sie den Islam zur einzigen verfassungsmäßigen Quelle der Gesetzgebung machen werde. Der populärste Vertreter der Schiiten im Irak, der als vergleichsweise liberal geltende Großayatollah Ali el Sistani, hat sich aber deutlich gegen eine religiös geprägte Verfassung wie im Nachbarland Iran ausgesprochen. Auch der römische Vertreter des chaldäischen Patriarchats, Philip Naim, sagte CNS, die Schiiten könnten eine islamische Verfassung nicht ohne breiten Rückhalt in der Bevölkerung durchsetzen.
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