News 04. 10. 2005

August von Galen – der "Löwe von Münster" wird selig gesprochen

Kardinal Clemens August von Galen war einer der wenigen Repräsentanten der katholischen Kirche, die sich dem Rassenwahn der Nazis auch öffentlich entgegenstellten. Am 9. Oktober wird der "Löwe von Münster" im Petersdom in Rom selig gesprochen.

Als unerschrocken, stimmgewaltig und hünenhaft haben ihn Zeitzeugen in Erinnerung. 1878 als Spross eines alten Adelsgeschlechtes in Dinklage im Oldenburger Münsterland geboren, erfuhr Clemens August von Galen eine konservative, streng katholische Erziehung. Früh wurde er Priester, arbeitete als Kaplan und Pfarrer in Münster in Berlin, bis er 1933 zum Bischof von Münster ernannt wurde.

Anhänger der Monarchie

Zu Beginn seiner Amtszeit sei nicht erkennbar gewesen, dass er zu einem so couragierten Kämpfer werden würde, sagen Kritiker heute. Die adlige Herkunft, ein starres Obrigkeitsdenken, sein Bekenntnis zur Monarchie werden ihm in der akademischen Diskussion oft angelastet. Er sei nicht frei von Widersprüchen, sagen Historiker: Vom Rechtskatholiken und Nichtdemokraten habe er sich jedoch gewandelt - zum kritischen Beobachter der Gesellschaft, zum Widerständler gegen den Staat und zum Anwalt der Menschenrechte.

Gegen das "Neuheidentum"…

Den lateinischen Spruch "Nec laudibus nec timore" ("Nicht Lob noch Furcht") hatte sich von Galen als Bischof zum Leitwort gewählt. Als Oberhirte von Münster lebte er dieses Motto von der Kanzel im Widerstand gegen die Naziherrschaft. Schon 1934 hatte sich der Theologe in einem Fastenhirtenbrief kritisch mit dem "Neuheidentum" der Nationalsozialisten auseinander gesetzt. 1937 trug er maßgeblich zur Veröffentlichung der päpstlichen Enzyklika unter dem Titel "Mit brennender Sorge" bei.

… und die Euthanasie

Berühmt wurden aber erst von Galens Predigten vom Juli und August 1941. Der Bischof wetterte vor allem gegen die Euthanasieprogramme des Naziregimes. Bei den Auftritten des Bischofs kam es zu Massenaufläufen mit zehntausenden Gläubigen und großem Polizeiaufgebot. "Die Predigttexte wurden unter der Hand gehandelt und sogar an der Front in Stalingrad gelesen", sagt Bistumssprecher Karl Hagemann. Bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte nach dem Krieg auf den Trümmern des Doms kamen 50.000 Katholiken, um dem Bischof zuzujubeln. "Er war in dieser Zeit sicher der bekannteste Katholik in Deutschland", sagt Hagemann.

Gestorben 1946

Bei den Nationalsozialisten stand von Galen deshalb auf der schwarzen Liste. Nach einem von ihnen propagierten "Endsieg" sollte mit dem Münsteraner Bischof abgerechnet werden, soll Reichspropagandaminister Josef Goebbels in seinem Tagebuch verewigt haben. Während der Kriegswirren traute sich die Staatsmacht aber nicht, gegen den Würdenträger vorzugehen. Zu groß war der Rückhalt des Bischofs in der Bevölkerung. Nach seiner Flucht aus dem durch Bomben zerstörten Münsteraner Bischofspalais 1944 hatte von Galen von seinem Ruhm nach dem Krieg nicht viel. Einen Monat nach seiner Aufnahme in das Kardinalskollegium starb er am 22. März 1946 an einer schweren Krankheit.

Johannes Paul II. war Seligsprechung ein Anliegen  

Papst Johannes Paul II. hat die Seligsprechung von Galens früh zu seiner persönlichen Angelegenheit gemacht. Schon 1987 betete der Heilige Vater während seines Deutschlandbesuchs am Grab des Bischofs im Münsteraner St.-Paulus-Dom. Beantragt war die Seligsprechung bereits 1956 worden. Als dafür notwendiges Wunder wurde schließlich die medizinisch unerklärliche Heilung eines schwer erkrankten indonesischen Schülers im Jahr 1995 gewertet. Angehörige des damals 16-Jährigen hatten die Fürbitte des einstigen Münsteraner Bischofs angerufen. An den Seligsprechungsfeiern am kommenden Sonntag in Rom werden auch mehrere Tausend Gläubige aus dem Bistum Münster teilnehmen.

Papst bei Seligsprechung

An der Seligsprechung von Galens, nimmt auch Papst Benedikt XVI. teil. Das teilten Vatikan und Bistum Münster am Dienstag mit. Der Papst hatte zu Beginn seines Pontifikats erklärt, Seligsprechungen nicht selbst vorzunehmen, sondern diese an Kardinal Saraiva Martins abzugeben. Im Falle von Galens werde er jedoch selbst zu den Gläubigen sprechen, hieß es.
 

 

 

 

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Hintergrund:

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