Der Publizist und Journalist Norbert Blaichinger aus Zell am Moos am
Irrsee zeichnet in seinem neuen Buch „Pater B. – eine Dokumentation“ den
Lebensweg eines pädophilen Benediktinerpaters und Priesters nach.
Es ist ein Protokoll des Grauens. Der Mann war seit den
70er Jahren unter dem Verdacht gestanden, Knaben missbraucht zu haben.
Allerdings landete er nie hinter Gittern, sodass er sein Treiben bis ins
hohe Alter weiterführen konnte. In der Erzabtei St. Peter, im Innviertel, am
Irrsee, in Bayern.
Autor Norbert Blaichinger hatte nicht nur die
Möglichkeit, Einblick in geheime Klosterarchive zu nehmen, er sprach mit
Obrigkeiten und Zeitzeugen, vor allem aber mit Opfern. Blaichinger schildert
verschiedene Facetten der Person Pater B.: Seinen Hang zu Gold und Glitzer,
seine Vorlieben für Seidenhemden und Maßanzüge vom Promi-Schneider in
München, seine hassvollen Sonntagspredigten, mit denen er mehrere Gemeinden
in tiefe Streitigkeiten führte. Auch andere Vorwürfe wiegen schwer. Etwa
jener der unrechtmäßigen Verwendung von Kirchengeldern. Er habe das Geld den
Leuten praktisch aus dem Sack gezogen, vermuten viele Zeitzeugen.
„Dem Mann war kein Trick zu mies, um das zu erreichen,
was er für seinen Lebenswandel brauchte“, sagt auch Autor Blaichinger. Pater
B., der erst heuer im Wallfahrtsort Altötting im 78. Lebensjahr verstarb,
wurde auch bekannt durch Sexreisen nach Marokko, bei denen der einmal im
Rahmen einer Pädophilen-Razzia der marokkanischen Polizei erwischt wurde.
Autor Blaichinger, der sich monatelang auf Spurensuche
begab, legt aber auch die Rolle der Katholischen Kirche offen. „Zu lange
wurde hier zu- und weggeschaut, und man hat das Gefühl, keiner hatte den
Mut, die Problemperson Pater B. zur Verantwortung zu ziehen.“
Norbert Blaichinger: Pater B. - Eine Dokumentation.
Edition innsalz, Ranshofen 2010
Radiobeitrag über das Buch, gesendet im Ö1-Religionsmagazin Praxis am
3.12.2010, gestaltet von Wolfgang Slapansky