News 18. 04. 2012

Salzburger Erzbischof Kothgasser
reicht Rücktritt in Rom ein

Ende Mai feiert der Erzbischof von Salzburg, Alois Kothgasser, seinen 75. Geburtstag. Laut Kirchenrecht müsste Kothgasser spätestens dann dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Der Erzbischof tat dies schon jetzt, wie der Sprecher der Erzdiözese Salzburg, Wolfgang Kumpfmüller, einen Bericht des ORF Salzburg bestätigte. Der Erzbischof habe auch ausdrücklich seinen Wunsch deponiert, dass der Papst die Amtszeit Kothgassers nicht mehr verlängere, so Kumpfmüller.

Kothgasser hatte zuletzt schon betont, dankbar zu sein, "wenn ich die Verantwortung abgeben kann. Wenn man sich bemüht hat, 15 Jahre wirklich im Einsatz zu stehen, und auch älter wird - 75 Jahre ist keine Kleinigkeit -, dann ist es wohl auch verständlich, dass die Kräfte nicht zunehmen", sagte er schon im März. Es sollten "jüngere Kräfte die Verantwortung übernehmen, die haben vielleicht neue Ideen, haben sicher mehr Kräfte."

Erzdiözese kann Nachfolger aus Dreier-Vorschlag des Vatikans wählen

In Salzburg wird allgemein angenommen, dass der Vatikan dem Wunsch Kothgassers, seine Amtszeit nicht zu verlängern, auch nachkommt. "Nach Annahme des Rücktrittsgesuchs wird es einige Wochen dauern, bis aus Rom ein Dreier-Vorschlag  einlangt. Manche glauben, das wird im Herbst der Fall sein, andere erwarten das bis Jahresende", so der Sprecher. Die Erzdiözese Salzburg hat die Sonderstellung, dass das Domkapitel den Erzbischof aus einem Dreier-Vorschlag des Vatikans wählen darf.

Kothgasser möchte an einen Mann übergeben, der „gut hören kann“

Auch wenn kirchenrechtlich ein emeritierter Bischof keinen Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers hat, will Kothgasser nichts unversucht lassen. Er hat in den vergangenen Wochen eine große Umfrage in den Gremien (Pastoralrat, Priesterrat, Dechantenkonferenz, Konsistorium) und unter allen hauptamtlichen Mitarbeitern in der Seelsorge sowie den Vorsitzenden der verschiedenen Verbände durchgeführt und Vorschläge gesammelt. In den nächsten Tagen wird er eine Liste mit Namen nach Rom übermitteln. Der scheidende Erzbischof selbst möchte den Hirtenstab gerne an einen "Mann der Mitte, der keine Schlagseiten hat, der gut hören kann und ein tiefgläubiger Mensch ist", übergeben.

Innsbrucker Bischof Scheuer gilt als Favorit

Als Favorit für die Nachfolge wurde in Medien zuletzt vor allem der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer genannt - Kothgasser war selbst Bischof von Innsbruck, bevor er nach Salzburg kam. Aber auch der aus Salzburg stammende Wiener Weihbischof Franz Scharl wird den Favoriten zugerechnet. Genannt wurde auch der Name des Pfarrers von Zell am Ziller, Ignaz Steinwender. Für die Zeit bis zur Wahl eines neuen Oberhirten gibt es laut Kumpfmüller drei Möglichkeiten: Entweder beauftragt der Papst Kothgasser selbst, die Erzdiözese vorerst weiterzuführen, oder er lässt das Domkapitel einen Administrator bestimmen, oder Rom ernennt selbst einen apostolischen Administrator.

 

(APA)

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