News 31. 05. 2012

Gauck: „Die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland“

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck hat sich in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ zurückhaltend zur Islam-Aussage seines Vorggängers Christian Wulff geäußert.

„Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“, hatte Christian Wulff 2010 betont. Diesen Satz könne er so nicht übernehmen, sagte sein Nachfolger Joachim Gauck in einem am Donnerstag veröffentlichten Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Aber seine Intention nehme ich an“, so der Bundespräsident.

Sich der Wirklichkeit öffnen

Die Einschätzung Wulffs hatte eine heftige Debatte ausgelöst. Gauck zeigte sich nun überzeugt, die Absicht des Satzes sei gewesen, zu sagen: „Leute, bitte einmal tief durchatmen und sich der Wirklichkeit öffnen.“ Und die Wirklichkeit sei, „dass in diesem Lande viele Muslime leben.“ Er habe in seiner Antrittsrede von „der Gemeinsamkeit der Verschiedenen“ gesprochen. Dahinter stecke eine Vorstellung „von Beheimatung nicht durch Geburt, sondern der Bejahung des Ortes und der Normen, die an diesem Ort gelten.“

Heikles Thema Religion

Ein-Satz-Formulierungen über Zugehörigkeit seien „immer problematisch, erst recht, wenn es um so heikle Dinge geht wie Religion“, sagte Gauck, der evangelischer Theologe ist. Er könne daher auch diejenigen verstehen, die fragten: „Wo hat denn der Islam dieses Europa geprägt, hat er die Aufklärung erlebt, gar eine Reformation?“ Allerdings nur „solange das keinen rassistischen Unterton hat.“

Diskurs auf Augenhöhe

Er sei „hoch gespannt auf den theologischen Diskurs innerhalb eines europäischen Islam“, sagte Gauck. Er begrüße, dass in Deutschland Lehrstühle für Islamwissenschaften geschaffen würden und es schon bald hier ausgebildete islamische Religionslehrer gebe. „So etwas kann einen Diskurs auf Augenhöhe nur befördern“, zeigte sich der Bundespräsident überzeugt.

Moralischer Apell

Das Gespräch wurde vor einer Reise Gaucks nach Israel und in die Palästinensergebiete geführt, die am Donnerstag zu Ende ging. Der Bundespräsident sagte, der Satz von Kanzlerin Angela Merkel, das Existenzrecht Israels gehöre zur deutschen Staatsräson, „kommt aus dem Herzen meiner Generation“. Er sei nicht nur aus einer politischen Vernunft geboren, „sondern aus einer tiefen Zerknirschung. Es ist ein moralischer Appell an uns selber, bei dem ich sehr besorgt bin, ob wir die Größe dieses Anspruchs an uns selbst in politisches Handeln umzusetzen vermögen.“ Für die nächste Generation könne dieser Appell „womöglich eine Überforderung“ bedeuten, sagte Gauck.

 

(APA/dpa)

 

 

 

 

 

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