19. 11. 2011, 6.57 Uhr - 7.00 Uhr
im Programm Österreich 1
"Der Menschheit Würde ist in eure Hand
gegeben" - Menschenrechte im täglichen Leben
von Barbara Helige, Richterin und Präsidentin der
österreichischen Liga für Menschenrechte
Musik: Birge Brüning/Blockflöte, Karl Stangenberg/Blockflöte,
Christa Krödel/Blockflöte, Hans Rainer Wilhelm/Viola da gamba und
Max Frey/Cembalo: "Adagio" aus der "Sonate für 3 Alt Blockflöten"
von Alessandro Scarlatti
Immer noch ist eines der brennenden Themen für jene Organisationen,
die sich mit Menschenrechten befassen, die Diskriminierung von
Menschen oder auch Personengruppen. Und nicht einmal Kinder sind
davor gefeit. Auch wenn die Österreicher und Österreicherinnen in
einer repräsentativen Umfrage den Schutz der Menschenrechte und da
vor allem jener der Kinder für besonders wichtig erachteten, schaut
die Realität dann oft etwas anders aus. Mag für das gesunde
österreichische Kind dieser Schutz doch recht gut ausgebaut sein, so
gilt das für Kinder in irgendeiner Art von Randgruppe schon nicht
mehr so ohne weiteres.
- So besuchen Kinder mit Behinderung nach wie vor viel zu oft
Sonderschulen, anstatt - was im Übrigen allen gut tut - gemeinsam
mit nicht-behinderten Kinder in den Regelschulen unterrichtet zu
werden.
- Für Kinder aus Migrantenfamilien bietet die Ausgestaltung des
Bildungswesens keineswegs Gleichbehandlung, ganz im Gegenteil werden
sie in ihren Bildungschancen deutlich diskriminiert.
- Im Asyl- und Fremdenrecht können Jugendliche in Schubhaft genommen
werden, wobei dafür im Zuge einer der letzten Gesetzesverschärfungen
- entgegen europarechtlichen und völkerrechtlichen Normen - auch
noch die Altersgrenze gesenkt wurde.
Angesichts dieser Verstöße gegen Menschenrechte von Kindern bleibt
in meinen Augen wenig Grund zur Begeisterung über die von der
Politik vielbejubelte Aufnahme der Kinderrechte in die
österreichische Bundesverfassung. Gott sei Dank gibt es viele
menschenrechtliche Initiativen, die sich auch für Kinder aus
Randgruppen starkmachen. Der Sozialpädagoge und Begründer der
Kinderdörfer, Hermann Gemeiner hat einmal gesagt: „An dem Tag, an
dem wir voller Ernst sagen können, dass alle Kinder der Welt unsere
Kinder sind, da beginnt der Frieden auf Erden“.