05. 03. 2012, 6.57 Uhr - 7.00 Uhr
im Programm Österreich 1
"Ermutigungen" - Gedanken zum
internationalen Frauentag
gelesen von Inge Maux
Musik: Itzhak Perlman/Violine und Samuel Sanders/Klavier:
"Sicilienne in Es-Dur" von Maria Theresia von Paradis
Der folgende Text stammt von Edith Stein.
Sie wird 1891 als jüngstes von elf Kindern einer
jüdisch-orthodoxen
Familie
geboren, studiert später Philosophie, Psychologie und Geschichte.
Obwohl sie mit Auszeichnung promoviert, wird sie viermal nicht zur
Habilitation
zugelassen, weil sie eine Frau ist. 1922 konvertiert Stein zum
katholischen Glauben – ohne allerdings jemals ihre Verbindung zum
Judentum zu lösen - und tritt elf Jahre später in den Orden der
Karmelitinnen ein. Am 9. August 1942 werden Edith Stein und ihre
Schwester Rosa im Vernichtungslager der Nazis in
Auschwitz-Birkenau
ermordet. Vor dreizehn Jahren wurde Edith Stein als Märtyrerin von
Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen. Selbstbewusst,
eigenständig und modern vertrat sie zeitlebens entschieden
fortschrittliche Positionen in der Frauenfrage.
„Dass Frauen imstande sind, andere Berufe als den der Gattin und
Mutter auszuüben, das hat wohl auch nur unsachliche Verblendung
bestreiten können. Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte und im
Grunde doch die Erfahrung aller Zeiten hat es bewiesen. Man darf
wohl sagen: Im Notfall kann jede normale und gesunde Frau einen
Beruf ausüben. Und: Es gibt keinen Beruf, der nicht von einer Frau
ausgeübt werden könnte. Wenn es gilt, vaterlosen Kindern den
Ernährer zu ersetzen, verwaiste Geschwister oder alte Eltern zu
ernähren, dann kann eine opfermutige Frau die erstaunlichsten
Leistungen vollbringen. Aber auch individuelle Begabung und Neigung
können zur Betätigung auf den verschiedensten Gebieten führen. Keine
Frau ist ja nur Frau, jede hat ihre individuelle Eigenart und
Anlage so gut wie der Mann und in dieser Anlage die Befähigung zu
dieser oder jener Berufstätigkeit künstlerischer,
wissenschaftlicher, technischer Art usw. Prinzipiell kann die
individuelle Anlage auf jedes beliebige Sachgebiet hinweisen.
Alles Geschöpfliche steht im Abbildverhältnis zur Gottheit und so
muss auch dem weiblichen Sein eine eigentümliche Abbildungsfunktion
zukommen.“
Buch:
Edith Stein, „Die Frau. Ihre Aufgabe nach Natur und Gnade“ aus
„Edith Steins Werke V“, Verlag Herder