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Gravierender Vorfall

Daß es in der Österreichischen Bischofskonferenz nicht wie in einem Mädchenpensionat zugeht, ist bekannt und logisch. Doch die jüngsten Ereignisse sind wohl beispiellos: Am Freitag bezichtigte Kardinal Schönborn in einem "ZIB2"-Interview Bischof Krenn, die Unwahrheit gesagt zu haben und kündigte disziplinäre Konsequenzen an. Am Samstag schlug Krenn zurück: "Wer von Lüge spricht, der lügt", so Krenn in der "ZIB1". Grund des Streits: Der Fünfjahresbericht zum "Ad limina"-Besuch der Bischöfe in Rom. Krenn hatte behauptet, ihn vorher nicht gekannt zu haben - was Schönborn bestritt. Krenn beteuerte, er habe mit diesem Bericht "nichts zu tun". Befragt nach einer möglichen Lösung des Konflikts meinte Krenn wörtlich: "Mir genügt's, wenn die Lügner das Maul halten."

Kardinal Christoph Schönborn bedauerte am Samstag, daß der "Knatsch" innerhalb der Bischofskonferenz rund um den St. Pöltner Bischof Kurt Krenn in die Öffentlichkeit gekommen ist.
Die jüngste Aussage Krenns im Fernsehen, in der Krenn Schönborns Vorwürfe mit den Worten "die Lügner sollen das Maul halten" bekräftigte, kommentierte Schönborn nur kurz: Man sollte nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Schönborn hatte am Freitag in der "ZIB2" Krenn vorgeworfen, nicht die Wahrheit gesagt zu haben.

Restlose Aufklärung

Schönborn betonte in seiner Pressekonferenz in Rom zum Abschluß des Ad-limina-Besuchs Samstag abend, daß er eine restlose Aufklärung der Verdächtigungen Krenns anstrebe. Krenn hatte behauptet, daß der Fünf-Jahres-Bericht der Bischofskonferenz ohne seine Zustimmung zustande gekommen sei. Über den Verlauf des Ad-limina-Besuchs selbst äußerte sich Schönborn zufrieden.

Schönborn betonte erneut, daß der Bericht an Rom über die Situation der Kirche in Österreich sehr wohl innerhalb der Bischofskonferenz akkordiert gewesen sei. Der Ablauf sei in den Protokollen dokumentiert. Angesichts der Aussagen Krenns gebe es Klärungsbedarf. Es dürften "Verdächtigungen oder falsche Erinnerungen nicht im Raum stehen bleiben". Er werde einen schriftlichen Bericht an die Bischofskongregation in Rom verfassen. Ihm, Schönborn, gehe es um "Disziplin und Ordnung" innerhalb der Bischofskonferenz.

Zum Ad-limina-Besuch selbst sagte Schönborn, es sei "klimatisch" eine sehr gute Woche gewesen. Die Bischöfe seien in Rom auf eine "große Bereitschaft des Zuhörens und des Eingehens auf unsere Situation" gestoßen. Die Gespräche seien ausnahmslos gut gewesen. Es sei "ein größerer Horizont geöffnet worden". Auch das Vertrauen innerhalb der Bischofskonferenz sei deutlich gewachsen.

Schönborn kündigte an, daß die Fortsetzung des Dialogs für Österreich, vor allem die Aufarbeitung der Forderungen der Delegiertenversammlung in Salzburg sofort angegangen werde. Am 9. Dezember werde es dazu eine außerordentliche Sitzung der Bischofskonferenz in Salzburg geben. Dabei sollen zu einzelnen Themenbereiche Arbeitsgruppen eingerichtet werden.

Arbeitsgruppe der Bischöfe - ohne Krenn

Eine Arbeitsgruppe der Bischöfe sei bereits gebildet worden. Ihr gehören der Wiener Weihbischof Alois Schwarz, der Salzburger Erzbischof Georg Eder und der Innsbrucker Bischof Alois Kothgasser an. Gemeinsam mit Vertretern der Pastoralkommission und Experten sollen sie Vorschläge zur Weiterarbeit entwickeln. Diese sollen bis zur Frühjahrssession der Bischofskonferenz vorliegen. Kirchen/Bischöfe/Vatikan/Österreich/Krenn

Krenn trägt Österreich-Bericht nicht mit

Bischof Krenn bekräftigte am Samstag, er trage den Österreich-Bericht der Bischofskonferenz weiterhin nicht mit. Das habe er am Samstag vormittag bei der Aussprache mit dem Präfekten der Kongregation für die Bischöfe, Kardinal Lucas Moreira Neves, diesem auch mitgeteilt. In diesem Bericht wird die Causa Groer überaus offen und selbstkritisch dargestellt.

Die Ankündigung von Kardinal Christoph Schönborn, wonach die Ablehnung des Berichtes durch Krenn disziplinäre Maßnahmen zur Folge haben könnte, war laut Krenn während der Aussprache mit Kardinal Neves kein Thema. "Es wird keine disziplinären Maßnahmen geben, weil ein Bischof keinem anderen Bischof untersteht", so Krenn. Die Kritik Schönborns an seiner Person bezeichnete Krenn wörtlich als "überflüssige Bemerkung, die keinerlei Relevanz hat".

Krenn feiet mit Nuntius

Über den gesamten Verlauf des "Ad-limina"-Besuchs äußerte sich Krenn "zufrieden". Die Aussprachen seien "realistisch und ehrlich gewesen". Krenn hat Samstag nachmittag Rom bereits verlassen. Er reiste nach Cremona, wo er am Sonntag an der Feier zum 20jährigen Bischofsjubiläum von Nuntius Donato Squicciarini teilnehmen wird.