Papst Johannes Paul II in Österreich
19. - 21 Juni 1998

Papstbesuch 98 - Johannes Paul II in Österreich
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20. Aug 99von Marcus Marschalek aktualisiert

Reaktionen auf den Papstbesuch

Pfarrer Pater Udo Fischer

Der kritische Pfarrer Pater Udo Fischer aus Paudorf (NÖ) wertete den Papstbesuch in einer Stellungnahme gegenüber der APA Sonntag nachmittag als "ziemlich sinnlose Sache". Der Papst habe zwar viele körperliche Strapazen auf sich genommen, kehre aber nach Rom zurück, ohne eine Lösung der Probleme in der Kirche Österreichs aufgezeigt zu haben. Den Bischöfen Johann Weber und Christoph Schönborn müsse nun klar sein, daß sie aus Rom keine Hilfe zu erwarten hätten.

Die Papstgottesdienste seien große Feste gewesen, so Fischer. Sie hätten jedoch in einem Land stattgefunden, in der die Kirche - wegen der anhaltenden Probleme - nicht viel zu feiern habe. Als Skandal bezeichnete er den Gebetsaufruf von Bischof Kurt Krenn für Kardinal Hans Hermann Groer, nicht aber für dessen Opfer. Eigenartig sei auch gewesen, daß bei der Messe am Heldenplatz Kardinal Franz König nicht begrüßt worden sei. Offensichtlich sollte niemand merken, "daß es da noch einen anderen Wiener Alterzbischof (Groer, Anm.) gibt".

Die geringe Teilnahme der Katholiken an den Papstmessen zeigt nach Ansicht Fischers, "daß die Leute pessimistisch geworden sind - noch pessimistischer als ich, weil ich zumindest an einen kleinen Neustart erhofft hatte". Die Probleme seien morgen aber die selben wie vor dem Papstbesuch.

Thomas Plankensteiner

Plankensteiner kritisiert "Lobhudelei für Bischof Krenn"
Auch der Initiator des Kirchenvolks-Begehrens, Thomas Plankensteiner von der Initiative "Wir sind Kirche", zeigte sich vom geringen Interesse der Katholiken am Papstbesuch wenig überracht. Wie Plankensteiner gegenüber der APA am Sonntag betonte, habe die Resignation und Gleichgültigkeit in der Kirche Österreichs seit den letzten Papstbesuchen 1983 und 1988 "stark zugenommen". "Maßlos enttäuscht" äußerte er sich über die Aussagen des Papstes zur innerkirchlichen Situation.

Der Papst, dessen Faszination auch er, Plankensteiner, nicht in Abrede stellen wolle, habe erneut gezeigt, daß er in politischen und sozialen Aussagen sehr stark sei. Die innerkirchlichen Aussagen seien jedoch enttäuschend, zum Teil - wie etwa in St. Pölten - fast peinlich. Vor allem gestört hat Plankensteiner die "Lobhudelei für Bischof Krenn".

Plankensteiner hat auf Einladung von Kardinal Christoph Schönborn an der Papstmesse in Wien teilgenommen, auf seinen Ehrenplatz jedoch verzichtet. Der Inhalt der Rede des Papstes vor den Mitgliedern der Bischofskonferenz mit dem Lob für den "Dialog für Österreich" war Plankensteiner vorerst nicht bekannt. Eine Stellungnahme dazu ist für den Nachmittag angekündigt.

Positiv bewertete der Initiator des Kirchenvolks-Begehrens, Thomas Plankensteiner, die Papst-Worte zum "Dialog für Österreich". Diese seien ein klarer Auftrag, keine Ergebnisse vorwegzunehmen, wie dies von Bischöfen wie Kurt Krenn oder Andreas Laun bereits erfolgt sei. Die Strukturfragen der Kirche müßten mit offenem Ausgang diskutiert werden.

Der Papst rufe klar dazu auf, daß im Dialog die Standpunkte aller Seiten ernst genommen werden müßten. Damit sei der Dialog offen. Keine Seite dürfe ihren Standpunkt absolutieren. Der Dialogpartner müsse respektiert werden.

 

TV-Diskussion in "Zur Sache"

In der ORF Sendung zur Sache diskutierten am Abend nach dem Papstbesuch Kardinal Christoph Schönborn, Bischof Johann Weber, Bischof Kurt Krenn, Abt Joachim Angerer, Publizist Hubert Feichtelbauer und Ingrid Thurner von der Plattform "Wir sind Kirche"

Von den bisherigen Reisen im heurigen Jahr hat Johannes Paul II. Österreich als die "sensibelste" bezeichnete. Das berichtete Kardinal Christoph Schönborn Sonntag abend in der Fernseh-Diskussion "Zur Sache" über ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Papst knapp vor dessen Abreise. Es sei dies eine "klare Aussage" über die Krise der Kirche in Österreich. Sowohl Schönborn als auch seine Bischofskollegen Johann Weber und Kurt Krenn zogen eine positive Bilanz der vergangen drei Tagen mit dem Papst. Eine Scheidung der Geister zeigte sich jedoch in der Einschätzung der Causa Groer.


Bischof Krenn verteidigte die Nennung des Namens von Kardinal Hans Hermann Groer in seiner Rede vor der Papstmesse in St. Pölten. "Ich bereue das überhaupt nicht", so Krenn wörtlich. Es sei noch nie ein Vergehen gewesen, für einen Menschen zu beten. Groer, der ihn zum Bischof geweiht habe, sei "ein Mensch, dem ich größte Hochachtung entgegen bringe". Für Groer zu beten, "sei nichts Böses" und "kein fataler Fehler". Er habe mit dem Gebetsaufruf nicht provozieren wollen, sondern seine Haltung darstellen wollen.


Angerer kritisierte Krenn
Der Abt des Stiftes Geras, Joachim Angerer, kritisierte in diesem Zusammenhang, daß Krenn die Opfer zu Tätern mache: "Das tut sehr weh."


Schönborn betonte, daß niemand vom Papst ohne ein Verfahren "etwas Definitives" zur Causa Groer habe erwarten können. Ohne ein Verfahren wäre das "massivstes Unrecht". Der Kardinal bat neuerlich eindringlich, "lassen sie den armen Kardinal Groer, lassen sie die Wunden heilen!" Die Entscheidung über den Zeitpunkt der Rückkehr Groers sei "ausschließlich Sache des Papstes".


Angerer hielt dem entgegen, daß Aussagen des Papstes zu Groer keine Lehramts-Aussagen gewesen wären. Dies hätte auch für ein Eingeständnis gegolten, daß Groer eine Fehlbesetzung gewesen sei.


Der Auftrag des Papstes
In der Diskussion um Kardinal Hans Hermann Groer zeige sich "ein Teil unserer Kirchenkrise", so Schönborn: "Es ist bedauerlich, aber es ist so, daß es unter den Bischöfen nicht immer Einigkeit besteht." Krenn erinnerte daran, daß es ausdrücklicher Wunsch des Papstes sei, nicht über die Causa Groer zu sprechen. Der Papst habe sich in diesem Fall das letzte Wort ausgebeten.


Schönborn zitierte die Warnung des Papstes, den Streit nicht zu sehr in den Medien auszutragen: "Wir widersprechen gerade diesem Auftrag des Papstes." Der Kardinal betonte wiederholt, daß es ihm nach dem Fest des Papstbesuches lieber wäre, über die positiven Seiten der vergangenen Tage zu sprechen.


Weber: Auftrag für den Dialog
"Wir gehen aus diesen Tagen mit einem klaren Auftrag heraus", resümierte der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, der Grazer Diözesanbischof Johann Weber in der Fernseh-Diskussion "Zur Sache": "Wir haben keinen anderen Weg als den Dialog." Diesen Auftrag habe der Papst den Bischöfen "strikt ans Herz gelegt - ich sage nicht befohlen".


Den vom Publizisten Hubert Feichtelbauer geprägten Bild, der Papst habe mit seinem Auftrag zum Dialog den Ball an die Kirche in Österreich zurückgespielt, wurde von Kardinal Christoph Schönborn bestätigt: "Man kann sich nicht erwarten, daß der Papst unsere Probleme löst." Wie die vom Papst geforderte Einigkeit erreicht werde, könne noch nicht gesagt werden.


Abt Joachim Angerer forderte Bischof Kurt Krenn auf, "mit Redlichkeit und Ehrlichkeit in den Dialog" zu gehen. Krenn selbst wies die Behauptung, er hätte mit seiner Diözese am Dialog nicht teilnehmen wollen, entschieden zurück.


Ingrid Thurner von der Plattform "Wir sind Kirche" wertete die Rede des Papstes zum "Dialog für Österreich" als Richtschnur, die aber von allen Seiten ernstgenommen werden müßte.


Kontroverse über Bewertung der Messe in St. Pölten
Zu heftigen Diskussionen führte die Bewertung der Papstmesse in St. Pölten. Thurner warf Krenn vor, den Gottesdienst "instrumentalisiert" zu haben. Es sei dies nicht ein Lobpreis für Gott oder für den Papst gewesen, sondern ausschließlich für Bischof Krenn. Dieser wies diese Darstellung entschieden zurück. Diese Behauptung werde ohne konkrete Belege schon länger aufgestellt: "Mit solchen Leuten muß man scharf reden." - "Es hat sich nichts geändert", antworteten Feichtlbauer und Thurner.


Schönborn versuchte daraufhin das Thema zu wechseln: "Der Papst hat uns einige sehr wichtige Dinge gesagt, lieber Mitbruder." Krenn stieg allerdings nicht ein: "Ich kann mir das nicht bieten lassen. Du wirst von allen Seiten gelobt", so der St. Pöltener Boischof zu Schönborn. Ihm selbst gehe es da nicht so gut.


Krenns Darstellung des "historischen Tags für St. Pölten": Der Papst selbst sei nach der Messe sehr glücklich gewesen und habe zu ihm gesagt: "So wollen wir weiter machen."

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